Sterne

Ich sitze im Flieger. Auf dem Weg nach Düsseldorf. Ein Tag Graphic Recording steht auf dem Programm.

Flugbegleiterinnen sind ja immer ünerhört hübsch, denke ich bei mir. Selbst die, die schon in die Jahre gekommen sind. Woran liegt das? Oder ist das nur die Haltung? Oder ein Vorurteil?

Der Flugkapitän an Bord jedenfalls erzählt uns, dass er uns den Sonnenuntergang jetzt mittels vierfacher Flugzeugwendemanöver vier Mal erleben lässt. Sehr freundlich. Witziger finde ich aber, dass der Mann tatsächlich Sonnenschein mit Nachnamen heißt.

Meine Frisur sitzt nie, denke ich, als die Flugbegleiterin wieder an mir vorbeischwebt. Aber vielleicht liegt das ja an meinem Nachnamen. :))))

Ich krame die Welt kompakt hervor, die man am Eingang kostenlos zur Verfügung gestellt bekommt. Als ich auf der Seite der Horoskope lande, kann ich nicht fassen, dass man den in Worte gehüllten Blick in die Sterne scheinbar nur für mich geschrieben hat. Da steht:

Sie machen eine Gratwanderung durch. Erstrebenswert bleibt eine Mischung aus lockerer Kreativität und Durchhaltevermögen. Die Sterne lassen Sie etwas hängen. Es hängt dann von Ihnen ab, wie stark sich das auswirkt. Planen Sie mehr Muße ein.

Mit Gratwanderung meinen die natürlich meine Tätigkeiten Malerei auf der einen, Graphic Recording auf der anderen Seite. Klar. Warum mich die Sterne hängen lassen ist mir zu diesem Zeitpunkt noch nicht klar, wird sich aber später noch zeigen.

Mehr Muße einplanen, na bitte, wenn das so gewünscht wird. Mach ich natürlich.

Ich reise also weiter bis zum Flughafen Düsseldorf, leihe einen PKW bei der orangen Autofirma und gurke noch eine weitere Stunde über die Autobahn Richtung Niemandsland. Ich kenne mich hier wirklich gar nicht aus.

Abends im Hotel angekommen – die Fahrt von Tür zu Tür hat immerhin 5 Stunden in Aspruch genommen, begebe ich mich zum Essen ins Hotelrestaurant. Ich denke darüber nach, dass ich die Graphic Wall gerne schon mal aufbauen würde, aber leider ist das – laut Hotelpersonal – nicht möglich. Muss ich also morgen Früh erledigen. Bevor es losgeht.

Kaum habe ich mich im Pyjama im Hotelbett lang gemacht, erhalte ich eine Email. Kurz zusammen gefasst steht darin, dass der gesamt Workshop für morgen abgesagt ist. Ich muss lachen und an die Sterne denken, die mich hängen lassen. Sachen gibt es.

Meine Stimmung pendelt sich zwischen Ärger und Gelassenheit ein, am nächsten Tag buche ich den Flug um und mache vor Abreise noch einen Spaziergang durch das frostig verschneite Nirgendwo.

Zurück am Flughafen Düsseldorf, gehe ich noch einen Happen essen. Im Schnellrestaurant überfluten mich Farben und Stimmen. Die Musik ist zu laut, und das TV-Gerät flackert unsinnig stumme Bilder über mein Menü. Das Menü ist eigentlich kein Menü. Fehlt ja der Nachtisch.

Irgendwie bin ich genervt. So viel Zeit vertan für nichts und wieder nichts. Klar, ich bekomme die Unkosten und mein Honorar erstattet. Aber die Zeit, die man verwendet für Koffer packen, Material packen, Utensilien bestellen, Vorbereitung, Emails, Abstimmung, Kinderbetreuung organisieren…. Und dann wieder versuche ich dem Ganzen noch etwas Posititves abzuringen:

Geschenkte Zeit ist es dann am Ende doch wieder, wenn man auf das Boarding wartet und noch ein paar Gedanken in das Skizzenbuch kritzelt.

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Aber liebe Sterne, mein Durchhaltevermögen lass ich mir nicht nehmen. Auch, wenn Ihr mich mal hängen lasst.

Eure Heike aus dem [wa]schatelier

 

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